Laumann ist neuer NRW-CDU-Fraktionschef
Die NRW-CDU hat einen neuen Fraktionsvorsitzenden: Karl-Josef Laumann wird Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag. Er setzte sich am Dienstagmittag (06.07.10) gegen Armin Laschet durch. Damit ist nach Rüttgers' Rückzug ein erste Richtungsentscheidung gefallen.
Der derzeitige NRW-Arbeitsminister Laumann setzte sich in einer Kampfabstimmung knapp gegen Integrationsminister Armin Laschet durch. Für Laumann stimmten 34 Abgeordnete, Laschet erhielt 32 Stimmen. Laumann übernimmt damit die Aufgabe des Oppositionsführers gegen die künftige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD).
Jürgen Rüttgers bewertete das knappe Wahlergebnis als "Signal der Geschlossenheit". Die CDU gehe "gestärkt in die parlamentarische Arbeit" und werde eine klare Alternative zur geplanten rot-grünen Minderheitsregierung aufzeigen. SPD-Landeschefin Hannelore Kraft will Rüttgers in der kommenden Woche ablösen.
Laumann will "Paroli bieten"
Die CDU werde der künftigen Landesregierung von Anfang an Paroli bieten, sagte Laumann nach seiner Wahl. "Wir werden das sicherlich mit Attacke machen, aber auch mit Alternativen." Falls Rot-Grün eine Einheitsschule einführen wolle, werde die CDU-Fraktion das Gymnasium "mit allen verfassungsrechtlichen Mitteln verteidigen". Seinen unterlegenen Gegenkandidaten Laschet will Laumann an einer wichtigen Stelle in der Fraktion integrieren.
Der unterlegene Armin Laschet erklärte, die Abstimmung über den neuen Fraktionsvorsitzenden sei keine Richtungsentscheidung gewesen. Vor der Wahl war er auf Distanz zur Politik von Rüttgers gegangen und hatte gewarnt, die CDU dürfe sich nicht "als bessere Sozialdemokraten profilieren". Laumann hingegen hatte sich vor seiner Wahl dafür ausgesprochen, das Erbe der Regierung Rüttgers zu bewahren. Rüttgers selbst will sich nach der Niederlage bei der Landtagswahl vom 9. Mai von seinen politischen Ämtern zurückziehen.
Blaumann unter Nadelstreifen
Laumann ist der Sohn eines Landwirts aus dem Kreis Steinfurt, der Maschinenschlosser wurde, weil er den Hof nicht übernehmen durfte. Er ist ein "Malocher vom Lande", einer, der in den Bierzelten sozialisiert wurde und seine laute Stimme damit entschuldigt, dass er 17 Jahre lang gegen die Maschinen anbrüllen musste. Im Betrieb engagierte er sich früh als Gewerkschafter, wurde Betriebsrat, schließlich Mitglied der CDU-Arbeitnehmerschaft (CDA). Gleichzeitig stieg er, Posten für Posten, in der Partei auf, vom JU-Vorsitzenden im Kreis Steinfurt bis zum stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden. Das wurde er 2004 eher zufällig, weil ein Nachfolger für den affärenbelasteten Hermann-Josef Arentz gesucht wurde. Danach wurde er aber immer wieder im Amt bestätigt - und übernahm 2005 auch den CDA-Vorsitz von Arentz.
"Norbert Blüms Enkel"
Da war Laumann schon Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales im Kabinett Rüttgers. Als Bundestagsabgeordneter hatte Laumann einen "hervorragenden Ruf als kenntnisreicher und prinzipienfester Fachmann" auf dem Gebiet, wie eine Zeitung damals schrieb, galt als "Norbert Blüms Enkel" - und verlieh der Landesregierung mit seinem Auftreten und markigen Worten Glaubwürdigkeit. Laumann unterstützte seinen Chef, der sich als "Arbeiterführer" gerierte, und legte sich dafür auch mit der Bundespartei an - zum Beispiel in der Frage, ob ältere Arbeitlose nicht länger unterstützt werden sollten als "ein junger Säufer, der nichts geleistet hat", wie Laumann in einem Zeitungsinterview sagte. |